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Title: Evaluation von Blended-Learning in der Pflichtfortbildung von Rettungsfachkräften: eine ergänzende Sekundäranalyse zur Evaluation des Wissenserwerbs zwischen Präsenz- und Blended-Learning im Kontext einer Pflichtzertifizierung
Author(s): Gräter, David Johannes
Referee(s): Iske, Stefan
Granting Institution: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Issue Date: 2022
Type: Master thesis
Exam Date: 2022
Language: German
Publisher: Otto von Guericke University Library, Magdeburg, Germany
URN: urn:nbn:de:gbv:ma9:1-1981185920-1222904
Subjects: Blended-Learning
eLearning
Wissenserwerb
Fortbildung
Zertifizierung
Corona-Pandemie
SARS-CoV-2-Pandemie
Rettungsdienst
Notfallsanitäter:innen
Rettungssanitäter:innen
Abstract: Einleitung In den letzten zehn Jahren kam es im Rettungsdienst aufgrund unterschiedlicher Ursachen zu gravierenden Veränderungen. Gründe dafür sind unter anderem der stetige Wissenszuwachs im Bereich der präklinischen und klinischen Notfallmedizin, die Weiterentwicklung der Notfallausrüstung und die Einführung des neuen Berufsbildes Notfallsanitäter:in im Jahr 2014 (vgl. bspw. Rossaint et al. 2016; Seeger et al. 2020; Schneider et al. 2019). Neben der steti-gen Professionalisierung des Rettungsfachpersonals und den damit immer weiter steigenden Anforderungen für die im Rettungsdienst tätigen Fachkräfte, müssen Wissen und Kompetenzen nicht nur in der Ausbildung erlangt, sondern auch darüber hinaus fortbestehen und weiterentwickelt werden, damit eine bessere Versorgung der Patient:innen auf Dauer gewährleistet werden kann. Herausfordernd ist jedoch, dass nicht immer ausreichend Personal zur Verfügung steht, um die Fachkräfte, welche an einer externen oder internen Fortbildung teilnehmen, im Dienst zu ersetzen (u.a. Gräter 2020). Aufgrund der defizitären Fortbildungsstunden und den in 2020 veränderten Hygieneanforderungen an Fortbildungsveranstaltungen aufgrund der Corona-Pandemie wurde ein Konzept entwickelt, welches die Umsetzung von Blended-Learning in der Pflichtzertifizierung der Rettungsfachkräfte ermöglicht. Um die Belastung der Leistungserbringer im Rettungsdienst hinsichtlich der Freistellung von Mitarbei-ter:innen zu reduzieren und eine flächendeckend gewährleistete Einhaltung der Fortbildungspflicht unter Pandemiebedingungen zu erreichen, stellt sich die Frage, inwiefern die Imple-mentierung des Blended-Learning in der Pflichtfortbildung zu einer Wissensaneignung führt. Hintergrund In dieser Arbeit wird Lernen aus pädagogischer Perspektive und als Grundlage der Aneignung von Wissen im Kontext eines Blended-Learning-Arrangements betrachtet. Ziel der hier untersuchten Pflichtfortbildung ist neben der Zertifizierung des Rettungsfachpersonals nach Vorgaben des Trägers Rettungsdienst die Förderung der Handlungskompetenz, wie es aktuell in der beruflichen Aus-, Fort- und Weiterbildung gefordert wird (Sekretariat der Kultusministerkonferenz 2021, S. 11). Das Konzept für die jährliche Pflichtzertifizierung für Rettungsfachkräfte im untersuchten Rettungsdienstbereich sollte bis vor der SARS-CoV-2-Pandemie im Rahmen einer zweitägigen Präsenzveranstaltung mit insgesamt 16 Fortbildungsstunden die Handlungskompetenz der Rettungsfachkräfte fördern sowie eine Überwachung und Zertifizierung des aktuellen Leis-tungsstandes bezogen auf die Durchführung vorgegebener Maßnahmen ermöglichen. Ziel war es, während der Fortbildungsveranstaltung Vorwissen und Erfahrungen mit neuen und für den beruflichen Alltag relevanten Inhalten zu verknüpfen und zu vertiefen sowie einen Transfer in den Arbeitskontext zu ermöglichen. Dabei sollte durch Impulsvorträge und Fallbeispieltrainings eine fachliche Vertiefung und qualifikationsübergreifende Zusammenarbeit gefördert werden. Im Jahr 2020 lag der Fokus auf der Versorgung von verletzten sowie lebensbedrohlich verletzten Personen. Zu Beginn und zum Ende der Präsenzfortbildung wurde ein Wis-senstest (Pre- und Posttest) mit 10 Fragen zu Handlungssituationen gestellt. Aufgrund der SARS-CoV-2-Pandemie mussten im Jahr 2020 wegen neuer Rahmenbedin-gungen Anpassungen im Bereich der Hygienebestimmungen vorgenommen werden. Dieser Umstand und die Forderung nach Fortführung der notwendigen Zertifizierung, machten eine Anpassung der Fortbildung notwendig. Das Konzept für die jährliche Pflichtzertifizierung für Rettungsfachkräfte im Rettungsdienstbereich wurde deshalb im Sinne eines Blended-Learning-Modells angepasst. Die Fortbildung startet mit einer Selbstlernphase auf Grundlage einer dafür neu konzipierten Online-Lernplattform mit dem Lernmanagementsystem Moodle im Umfang von 8 Stunden, welche ein solides Grundwissen für die Präsenzphase ermöglichen soll. Dafür wurden zu den unterschiedlichen Themenbereichen Podcasts, Videos, aufgezeichnete Vorträge, Texte mit Kontrollfragen, Online-Puzzles sowie Online-Tests für Lernerfolgskontrollen eingesetzt. In der anschließenden Präsenzveranstaltung, welche ebenfalls 8 Stunden umfasst, wird auf dem angeeigneten Wissen aufgebaut und der Fokus auf die prak-tischen Tätigkeiten, wie Skill- und Fallbeispieltraining ohne expliziten Fokus auf Wissensvermittlung gelegt. Der gleiche Wissenstest wie im alten Format erfolgte hier zum Beginn und Ende der Präsenzveranstaltung. Methoden Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine summative, hypothesenüberprüfende Evaluationsforschung zur Bewertung eines implementierten Fortbildungskonzeptes hinsichtlich der Wirksamkeit der Wissensaneignung mit der Blended-Learning-Methode im Vergleich zur vorherigen Methodik des Präsenzlernens (vgl. Bortz/Döring 2006, S. 96 f.; Arnold et al. 2018, S. 403 f.; Hochholdinger/Beinicke 2011, S. 3). Im engeren Sinne kann von einer Felduntersuchung ausgegangen werden, da die Evaluation unter realen Bedingungen im realen Fortbildungs- und Zertifizierungsablauf durchgeführt wird (vgl. Bortz/Döring 2006, S. 114). Ziel dieser Arbeit ist es, das implementierte Blended-Learning-Konzept in Hinblick auf die Wissensaneignung und im Vergleich zur Präsenzlern-Methode zu vergleichen, den Aneignungsprozess von Wissen in zwei unterschiedlichen Methoden im Rahmen einer beruflichen Pflichtfortbildung und -zertifizierung zu evaluieren, Unterschiede in verschiedenen Ausprägungen und Qualitäten sichtbar zu machen und die Wirksamkeit zu überprüfen, um abschließend Erkenntnisse über die Wirkung der Blended-Learning-Methode sammeln zu können. Zu berücksichtigen gilt es, dass die Umsetzung des Blended-Learning-Konzeptes kurzfristig im Zusammenhang mit der SARS-CoV-2-Pandemie durchgeführt wurde. Dadurch ergibt sich ebenfalls das Evaluations-interesse, ob Nachteile für die Teilnehmer:innen entstanden sind. Insgesamt wurden 257 Datensätze in die Auswertung einbezogen. Davon werden 69 der konventionellen Gruppe und 188 der Blended-Learning-Gruppe zugeordnet. Ergebnisse In der deskriptiven Auswertung zeigen sich im Pretest im Mittelwertvergleich in der Blended-Learning-Gruppe M = 6.07 (SD = 1.53) Punkte und bei der Präsenzgruppe M = 4.62 (SD = 1.93) Punkte. Die Streuung in der Blended-Learning-Gruppe im Vergleich zur Präsenzgruppe ist geringer. Der Median beträgt in der Blended-Learning-Gruppe Mdn = 6 und in der Präsenz-Gruppe Mdn = 5 Punkte. In der Blended-Learning-Gruppe haben gut 45% der Personen ent-weder die volle Punktzahl erreicht oder eine Aufgabe falsch beantwortet. In der Präsenz-Gruppe trifft dies auf etwa 20% zu. Außerdem haben dort knapp 48% der Personen 4 oder weniger Punkte erzielt, wohingegen dies in der Blended-Learning-Gruppe auf 16.5% zutrifft. Der Mittelwert der Post-Testergebnisse liegt in der Blended-Learning-Gruppe bei M = 6.92 (SD = 1.21) Punkte etwas über dem der Präsenz-Gruppe mit M = 6.72 (SD = 1.47) Punkten. Bei der Betrachtung der Standardabweichung zeigt sich, dass diese bei der Blended-Learning-Gruppe etwas geringer ist als bei der Präsenz-Gruppe. Der Median beider Untersu-chungsgruppen beträgt Mdn = 7 Punkte. Weniger als 50% der zu erreichenden Punkte haben in der Blended-Learning-Gruppe 1,6% und in der Präsenz-Gruppe 4,3% erzielt. Bis zur Hälfte der zu erreichenden Punkte haben 4,8% in der Blended-Learning- und 7,2% in der Präsenz-Gruppe erreicht. Die Blended-Learning-Gruppe zeigt statistisch signifikant höhere Pre-Test-Ergebnisse im Vergleich zur Präsenzlerngruppe (U = 3648, p < .001). Die Effektstärke liegt bei r = .44 und ist nach Cohen (1992) als mittlerer Effekt einzustufen. Die Blended-Learning-Gruppe zeigt keinen statistisch signifikanten Unterschied der Post-Test-Ergebnisse im Vergleich zur Präsenzlerngruppe (U = 6147, p < .249). Zwischen dem beruflichen Abschluss, dem Alter und der Berufserfahrung konnte weder bei den Pre- noch Post-Test-Ergebnissen statistisch signifikante Korrelation festgestellt werden.
URI: https://opendata.uni-halle.de//handle/1981185920/122290
http://dx.doi.org/10.25673/120332
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